Mit der Sanierung der Bernstrasse zwischen Ostermundigen und Deisswil wurde eine wichtige Netzlücke im kantonalen Velowegnetz geschlossen. Die neue Velo- und Fussverkehrsverbindung ist vom motorisierten Verkehr abgetrennt, breit und durchgehend.
Wo früher nur ein einseitiger Radstreifen bergwärts war, sind die Velofahrenden heute in beiden Richtungen vom motorisierten Verkehr getrennt unterwegs. (Foto: Oliver Dreyer, B+S AG)
Die Bernstrasse zwischen Deisswil (Gemeinde Stettlen) und dem Ortseingang Ostermundigen ist eine zentrale Route für den Alltagsveloverkehr in der Agglomeration von Bern. Auf dieser Kantonsstrasse fehlte jedoch eine durchgehende Veloführung. Lediglich bergwärts bestand abschnittsweise ein Radstreifen.
Besonders zu Spitzenzeiten kam es deshalb zu Konflikten zwischen Auto- und Veloverkehr zum einen und Velo– und Fussverkehr zum anderen. Velofahrende benutzten mangels sicherer Alternative das Trottoir. Mit dem Umzug der Schule für Gestaltung Bern und Biel in den Bernapark vergrösserte sich der Handlungsbedarf zusätzlich. So nahm das Tiefbauamt des Kantons Bern gleichzeitig mit der Erneuerung des Belags auch die Optimierung der Verkehrsführung in Angriff.
Die Bauarbeiten starteten im Februar 2024. Dank einer provisorischen Strasse parallel zum Sanierungsabschnitt konnte die Bauphase ohne grössere Umleitungen umgesetzt werden. Bereits in dieser Phase stand durchgehend ein separater Fuss- und Radweg zur Verfügung.
Mit der Sanierung dieses rund 870 Meter langen Abschnitts wurde eine grosse Lücke im kantonalen Velowegnetz geschlossen. Entstanden ist eine durchgehende, vom motorisierten Verkehr abgetrennte und attraktive Veloverbindung. Gleichzeitig wurden Anschlüsse an Nebenstrassen, den Veloweg Richtung Bern sowie an die geplante Veloroute Worblental sichergestellt.
Der Velo– und Fussweg hat eine Breite von mindestens 3m. Zwischen dem Velo- und Fussweg und der Strasse wurde ein Grünstreifen angelegt. Anspruchsvolle Stellen wie die Einfahrt zum Bernapark wurden mit Querungshilfen ausgerüstet. Bei der Einmündung zum Gümligental können Velofahrende auf den vortrittsberechtigten Radstreifen wechseln oder auf dem Velo- und Fussweg verbleiben.
Dank dem geringen Fussverkehrsaufkommen und der guten Übersicht ist der Fuss- und Radweg mit gemeinsamer Fläche eine praktikable und flächeneffiziente Lösung. Der Kulturlandverbrauch konnte zusätzlich gering gehalten werden, indem die Strasse etwas mehr auf die kantonseigene Parzelle gelegt wurde. Eine grössere Breite des Velowegs wäre insbesondere wünschenswert gewesen, da die Route im Sachplan Velowegnetz des Kantons Bern als «Korridor zur Prüfung einer Velobahn» ausgewiesen ist. Insgesamt schafft die neue Infrastruktur aber bereits jetzt eine sichere, durchgehende und alltagstaugliche Veloverbindung.
Die Situation vor der Sanierung: Trotz der Velolandrouten, die über die Kantonsstrasse führen, gab es kein legales abgetrenntes Angebot für Velofahrende, dafür wurde das Trottoir vom Veloverkehr mitbenutzt. (Foto: Oliver Dreyer, B+S AG)
Auf die Velo- und Fussverkehrsführung wurde während den Sanierungsarbeiten speziell geachtet. (Foto: Oliver Dreyer, B+S AG)
Der neue Kreisel wurde mit einem komfortablen Velo-Bypass und mit Querungshilfen ausgestattet. (Foto: Velokonferenz Schweiz)
Die Querung der Einmündung Gümligental ist vortrittsbelastet. Von Ostermundigen her kann aber via Velostreifen auf die Strasse gewechselt werden und somit vortrittsberechtigt weitergefahren werden. (Foto: Velokonferenz Schweiz)
Der Weg ist gemäss Strassenplan als «Güterweg, der auch dem Fuss- und Veloverkehr dient» erstellt worden und bei Bedarf für Landwirtschaftsfahrzeuge zur Bewirtschaftung der angrenzenden Felder befahrbar. Die kombinierte Breite von Radweg und Radstreifen ermöglichen hier viel Flexibilität für diese unkonventionelle Nutzung. (Foto: Rebecca Müller)
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