Bundesamt für Strassen ASTRA Neuigkeiten Artikel publiziert am 01. Oktober 2026
Das war das Veloforum 2026

Wie wird die Schweiz zum Veloland? Und welche Rollen spielen dabei Infrastruktur, Gesetze, Sicherheit und Inklusion? Vor rund zwei Wochen diskutierten am Veloforum 2026 in Bern Fachwelt, Politik und Verbände über die Zukunft des Velos.

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Am Veloforum Schweiz steht die Verdoppelung der mit dem Velo gefahrenen Strecken bis 2035 im Zentrum. (Foto: Roadmap Velo)
Von Paris in die Schweiz

Mit gutem Beispiel für nachhaltige Änderungen an der Infrastruktur voran ging Christophe Najdovski, der ehemalige Vizebürgermeister von Paris. Die französische Hauptstadt hat in den vergangenen Jahren Strassenräume neu verteilt, Velowege ausgebaut und neue attraktive Räume für die Bevölkerung geschaffen.

Seine zentrale Frage: Was wollen Städte bewegen – Fahrzeuge oder Menschen? Für Najdovski ist klar, dass Infrastruktur das Verhalten mitprägt. Oder, wie er es auf den Punkt bringt: «Build bike lanes and cyclists will come.»

Danach richtete sich der Blick auf die Schweiz. Michael Liebi, Präsident der Velokonferenz Schweiz, plädiert dafür, das Velo nicht als Nische, sondern als Teil eines zusammenhängenden Verkehrssystems zu planen. Einzelne Leuchtturmprojekte wie der Zürcher Velotunnel zeigen, was möglich ist. Entscheidend sind aber durchgängige Netze, sichere Kreuzungen, Abstellmöglichkeiten und gute Verbindungen zum öffentlichen Verkehr.

Die Politik und das Velo

Bundesrat Albert Rösti war erstmals beim Veloforum dabei. Aus seiner Sicht sei die Schweiz bei der Umsetzung des Veloweggesetzes gut unterwegs. Er betonte die wichtige Rolle des Velos in der Nahmobilität, und dass man die verschiedenen Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausspielen solle.

Wie die grossen Parteien die Rolle und Entwicklung des System Velos bewerten, wurde in der Velefantenrunde debatiert. Auf der Bühne standen Philipp Matthias Bregy (Präsident Die Mitte), Jürg Grossen (Präsident GLP), Lisa Mazzone (Präsidentin Grüne), David Roth (Vizepräsident SP), Henrique Schneider (Generalsekretär SVP) und Benjamin Mühlemann (Präsident FDP).

Einigkeit herrschte vor allem darin, dass die Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. Statt in starren Kategorien wie «Velofahrende» und «Autofahrende» zu denken, gehe es darum, je nach Strecke das passende Verkehrsmittel zu wählen. Dafür brauche es Bedingungen, unter denen das Velo im Alltag eine attraktive und selbstverständliche Option ist.

Wer mitdenkt, entscheidet mit

Rollstuhlleichtathletin Manuela Schär berichtete, welche Möglichkeiten ihr ein adaptiertes Handbike eröffnet. Gleichzeitig zeigte sie, wo Hürden bleiben: Nicht nur der Weg selbst muss zugänglich sein. Auch Anreise, Parkplätze oder sanitäre Anlagen gehören dazu.

Heidi Hanselmann, Präsidentin des Stiftungsrats Schweizer Paraplegiker-Stiftung, formulierte daraus einen klaren Anspruch: Betroffene sollen nicht erst am Ende berücksichtigt, sondern von Beginn an in die Planung einbezogen werden.

Auch beim Thema Sicherheit wurde der Blick auf das Gesamtsystem gerichtet. Brauchen wir eine Helmpflicht? Für Velos welcher Klassen sollte sie greifen? Die Unfallzahlen bei Velo und E-Bike zeigen weiterhin Handlungsbedarf. Doch auch sichere Infrastruktur kann dazu beitragen, Fehler abzufedern und Konflikte zu vermeiden. Dabei kam das 8–80-Prinzip zur Sprache: Veloinfrastruktur sollte so geplant sein, dass sich darauf sowohl Kinder als auch ältere Menschen sicher bewegen können.

Bis zum nächsten Mal

Was vom Veloforum 2026 bleibt? Vor allem die Erkenntnis, dass die Verbesserung des Systems Velo nicht an einer einzelnen Massnahme hängt. Es braucht sichere Wege, politische Entscheidungen und eine Planung, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt.

 

Der Veloweg nach 2042 wird zwischendurch immer wieder mal steil werden, aber mit der richtigen Einstellung – und dem richtigen Velo – ist er machbar.

Eine ausführliche Beschreibung des Veloforums finden Sie bei unserem Partner Veloforum Schweiz: Lebhafte Debatten zur Velowende und eindrückliche Fakten aus Paris – Veloforum

Vertreterinnen und Vertreter von Swiss Cycling und der Swiss Bike Park Foundation präsentieren ihre Anliegen am Veloforum. Vertreterinnen und Vertreter von Swiss Cycling und der Swiss Bike Park Foundation präsentieren ihre Anliegen am Veloforum. (Foto: Roadmap Velo)
Ein Podium am Veloforum thematisiert inklusives Velofahren. (Foto: Roadmap Velo)
An der «Velefantenrunde» diskutieren Politikerinnen und Politiker über die Zukunft des Veloverkehrs. (Foto: Roadmap Velo)
Bundesrat Albert Rösti spricht am Veloforum Schweiz über Verkehr und Veloförderung. (Foto: Roadmap Velo)
Christophe Najdowski zeigt am Beispiel Paris, wie mehr Platz für Velos geschaffen werden kann. (Foto: Roadmap Velo)