Das ASTRA setzt auf den Baustellen der Simplonpassstrasse und des Grossen St. Berhards Velo-Ampeln ein. Diese ergänzen die allgemeinen Lichtsignalanlagen. Die Erfahrungen aus mehreren Saisons zeigen, dass das System funktioniert: Es erhöht die Sicherheit für Velofahrende und optimiert gleichzeitig die Verkehrsabwicklung.
Der Wartebereich neben der Ampel für Fahrräder ermöglicht es Radfahrern, den Knopf zu betätigen, um eine verlängerte Grünphase anzufordern. (Foto: ASTRA)
Bei Baustellen mit einspuriger Verkehrsführung ist eine Ampelsteuerung notwendig. Die Herausforderung besteht darin, die Grünphasen optimal einzustellen. Massgebend für die Dauer der Grünzeit ist das langsamste Fahrzeug. Bergaufwärts ist das in der Regel das Velo, für das 6 – 8 km/h angesetzt werden. Für den motorisierten Individualverkehr (MIV) wird mit 20 – 25 km/h gerechnet, er ist also ein Vielfaches schneller.
Wieso ist das wichtig? Die Grünphasenzeit definiert die Wartezeiten und die Staulängen. Diese müssen zumutbar sein. Deswegen entscheiden sie auch über die maximale Länge der Baustelle (Distanz). Die Länge der Baustelle (Distanz) beeinflusst zudem die Länge der Baustelle (Dauer). Obwohl Velos auf Passstrassen zahlenmässig eine Minderheit sind, werden sie bei der Verkehrsabwicklung berücksichtigt, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden zu gewährleisten.
Was tun? Ein Veloverbot bei Baustellen verhängen? Einen Shuttledienst anbieten? Thomas Gut, Bereichsleiter Projektmanagement Süd der ASTRA-Infrastrukturfiliale Thun, hatte eine viel bessere Idee: Eine separate Velo-Ampel bergwärts. Velofahrende drücken einen Knopf und künden sich damit an der Ampel an. Velos erhalten einen Vorstart und eine längere Grünphase; die Velo-Ampel ermöglicht Velofahrenden eine möglichst konfliktfreie Fahrt durch die Baustelle. Zur Erreichbarkeit der Velo-Ampel werden Radstreifen oder Velogassen markiert, ergänzt durch einen Aufstellbereich für Velofahrende vor der Ampel. Bergabwärts ist keine separate Velo-Ampel nötig, da Velofahrende hier schnell genug unterwegs sind, um in den allgemeinen Grünzeiten durch die Baustelle zu fahren.
Verschiedene Herausforderungen bleiben bestehen: Die Erfahrung zeigt grosse Tempounterschiede zwischen bepackten Tourenvelo- und Rennvelofahrenden. Bei sehr langen Baustellen können deswegen Zwischenwartebereiche für langsamere Velofahrende eingerichtet werden.
Die Feinabstimmung bleibt anspruchsvoll: : Zu grosszügige Velo-Grünzeiten können den MIV blockieren, Stau erzeugen und die effektive Baustellendauer verlängern. Missverständnisse beim Velo-Knopf und lange Rotphasen begünstigen zudem Regelmissachtungen des MIV. Voraussetzungen sind also klare Informationen, präzise Einstellungen und laufende Nachjustierungen.
Die Erfahrungen auf den Nationalstrasse 3. Klasse über den Simplonpass und den Grossen St. Bernhard zeigen, dass das System funktioniert. Es erhöht die Sicherheit für Velos und optimiert gleichzeitig die Verkehrsabwicklung. Die Velo-Ampel ist damit ein wirksames Instrument zur Verkürzung der Baustellendauer auf Passstrassen.
Thomas Gut: «Das System ‘Velo-Ampel’ ist ein unverzichtbarer Teil unserer Verkehrsführung auf einspurig befahrbaren (längeren) Baustellen auf unseren Passstrassen geworden. Überall dort, wo wir dem Velo keine separate Baustellendurchfahrt oder -umfahrung anbieten können, werden wir weiterhin mit bedarfsgerechten Grünphasen arbeiten.»
Die Velo-Ampel ermöglicht den Velofahrenden einen Vorstart. (Simplon, Furkabrücke | Foto: ASTRA)
Die Information für die Velofahrenden und die anderen Verkehrsteilnehmenden ist wichtig für die Akzeptanz der Wartezeiten. (Quelle: ASTRA)
Die Velo-Ampel funktioniert gut bei moderatem Velo- und moderatem Autoverkehrsaufkommen. Zu Spitzenzeiten ist ohnehin immer ein Verkehrsdienst notwendig. (Simplon, Casermetta | Foto: ASTRA)
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