Von der Velo- und Fussverkehrsbrücke über die Maggia profitiert auch der Bus.
Die Brücke zwischen Locarno und Ascona schliesst eine Netzlücke im Alltags- und Freizeitveloverkehr. Das Leuchtturmprojekt zeigt aber auch exemplarisch, wie durch die Verlagerung der aktiven Mobilität auf eine eigene Infrastruktur Raum für den öffentlichen Verkehr entstehen kann: Die bisherige Fuss- und Velospur auf der bestehenden A13-Brücke wurde nämlich zu einer Busspur umgenutzt.
Die Brücke steigert die Aufenthaltsqualität für Velofahrende und Menschen zu Fuss deutlich. (Foto: Laurent Dutheil)
Zwischen Locarno und Ascona werden die höchsten Velofrequenzen im ganzen Kanton Tessin gemessen. Gleichzeitig stellte die Querung der Maggia aber lange eine zentrale Lücke im Netz dar. Mit der Eröffnung der neuen Velo- und Fussverkehrsbrücke konnte diese Schwachstelle behoben und eine durchgehende, leistungsfähige Ost-West-Achse geschaffen werden. Die Verbindung reicht heute von Losone und Ascona bis weiter nach Muralto, Minusio und Tenero und ist sowohl für den Pendelverkehr wie auch für den Freizeitverkehr ins Maggiatal von grosser Bedeutung.
Für Velofahrende und Zufussgehende ist die neue Infrastruktur ein grosser Gewinn. Die Führung erfolgt vollständig abseits des motorisierten Verkehrs. Das ist ein entscheidender Unterschied, denn Wege entlang stark befahrener Strassen bleiben selbst mit Leitplanken wenig attraktiv. Die Aufenthaltsqualität wurde bei diesem Projekt gezielt mitgedacht. Lärm und Emissionen entfallen, und der Weg wird insgesamt deutlich angenehmer erlebbar.
Die Brücke ist rund fünf bis fünfeinhalb Meter breit und bietet ausreichend Platz für alle. Die Trennung von Velo- und Fussverkehr erfolgt punktuell über Sitzbänke. Sie strukturieren den Raum, schaffen Aufenthaltsorte und fördern die gegenseitige Rücksichtnahme. Somit sind sie wirksamer als ein blosser Markierungsstreifen. In der Mitte ist die Brücke etwas breiter und schafft so einen Ort zum Verweilen, Orientieren und Begegnen. Gleichzeitig wird der Veloverkehr hier durch die Möblierungselemente verlangsamt, wodurch Konflikte reduziert werden. Ergänzt wird das Bauwerk durch breite Zugangsrampen, die auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität gut nutzbar sind und den Anschluss an das regionale Velonetz sowie an die Ufer- und Auenwege sicherstellen.
Das Gesamtprojekt kostete rund 6 Millionen Franken und ist Teil der Massnahmen des Agglomerationsprogramms der zweiten Generation. Es wurde durch den Kanton Tessin sowie die interkommunale Verkehrskommission Locarnese und Vallemaggia mitfinanziert. Die Wirkung ist deutlich sichtbar: In einem Sommermonat wurden über 85’000 Querungen mit dem Velo gezählt, im Jahresmittel rund 1’800 pro Tag. Die Brücke nimmt damit eine bedeutende Funktion im regionalen Netz ein.
Die minimalistische Stahlbrücke ist 161m lang. (Foto: Laurent Dutheil).
Breite Zugangsrampen verbinden die Brücke nahtlos mit dem regionalen Velo- und Fusswegnetz. (Foto: Laurent Dutheil)
Die Brücke ist nachts angenehm durch eine LED-Anlage beleuchtet. (Foto: Laurent Dutheil).
Die Brücke fügt sich in die Flusslandschaft der Maggia ein und eröffnet Ausblicke bis auf den See. (Foto: Kanton Tessin).
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