Die Gemeinde Bellevue (GE) hat sich einer grossen Herausforderung gestellt: auf einer Hauptverkehrsachse Platz für Velos, Zufussgehende, den ÖV und den MIV zu finden. Nach fast zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde die Route de Lausanne im Oktober 2024 wiedereröffnet. Velowege, Begrünung und Tempo 30 ergeben einen Strassenraum, der gemeinsam und komfortabel genutzt werden kann.
Ein abgetrennter Veloweg mit begleitender Begrünung – ein klimaresilientes Duo. (Foto: Michael Liebi)
Die Route de Lausanne in Bellevue nimmt – wie viele Strassen in Gemeinden am Rande einer Agglomeration – eine Doppelrolle ein: Sie ist einerseits eine wichtige Transitverbindung mit Zugang zur Genfer Metropole und andererseits eine der wichtigsten Erschliessungsachsen der Gemeinde. Diese Doppelfunktion erfordert eine Gestaltung, die sowohl den MIV-Transitverkehr ermöglicht als auch die Sicherheit des Velo- und Fussverkehrs gewährleistet.
Die Ortsdurchfahrt wurde umfassend aufgewertet: Auf einem über 700 Meter langen Abschnitt wurde die Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h reduziert. Auf dem grössten Teil der Strecke entstand zudem ein vom motorisierten Verkehr abgetrennter Veloweg. Die Strassenmitte wurde mit Begrünung, Parkplätzen und zentral gelegenen Bushaltestellen neu gestaltet. Dies verleiht dem Strassenraum ein neues Erscheinungsbild. Ausserdem wurde ein lärmmindernder Strassenbelag eingebaut, der die Lebensqualität der dort wohnenden Bevölkerung verbessert.
Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf CHF 1’200’000. Davon wurden CHF 300’000 für die Entschädigung von Gewerbebetrieben bereitgestellt, die während der Bauzeit wirtschaftliche Einbussen hinnehmen mussten.
Besonders hervorzuheben ist die getrennte Führung des Veloverkehrs. Sie vermittelt Sicherheit und ermöglicht eine ungehinderte Fahrt, wo früher Suchverkehr und parkierende Autos den Weg versperrten. Die zusätzliche Trennung zwischen Velo- und Fussverkehr durch einen Randstein schafft Klarheit und erhöht die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden. So eignet sich diese Infrastruktur für ein breites Publikum von Velofahrenden.
Einige Einschränkungen bleiben dennoch bestehen: Die Breite des Velowegs lässt kein Überholen durch schnellere Velofahrende zu. Und wo die räumlichen Verhältnisse keinen Veloweg zuliessen, wurde lediglich ein Velostreifen markiert.
Neben den verkehrlichen Massnahmen wurden auch Klimaanpassungen vorgenommen. So wurden entlang der Strasse Verkehrsinseln begrünt und 56 Parkplätze aufgehoben, um Platz für rund 50 Bäume zu schaffen. Diese wurden direkt in die Erde gepflanzt und verfügen über grosszügig dimensionierte Wurzelräume, die ihre langfristige Entwicklung fördern. Die Funktion der Strasse führt zu einem hohen Versiegelungsgrad. Eine umso wichtigere Aufgabe haben die Bäume: Hoffentlich werden sie künftig Schatten spenden und damit sowohl Velofahrenden als auch Zufussgehenden an heissen Tagen mehr Komfort bieten.
Die hier realisierten Veloinfrastrukturen richten sich an Menschen, die für ihre täglichen Wege eine möglichst direkte Verbindung bevorzugen. Sie ergänzen so die künftige «voie verte Genève–Versoix», eine parallel zur Route de Lausanne verlaufende Freizeitverbindung.
Mit dieser Umgestaltung der Ortsdurchfahrt setzt Bellevue ein mutiges und zukunftsweisendes Zeichen.
Der Mittelstreifen verfügt über Velofurten, die ein Abbiegen ermöglichen. (Foto: Laurent Dutheil, UrbanMoving)
Die Velofahrenden profitieren von einer ungehinderten Durchfahrt hinter der Bushaltestelle. (Foto: Michael Liebi)
In der Mitte der beiden Fahrbahnen wechseln sich Bäume und Parkplätze ab. (Foto: Michael Liebi)
Fussgängerstreifen sind zum sicheren Überqueren der Strasse mit mehreren Mittelinseln ausgestattet. (Foto: Laurent Dutheil, UrbanMoving)
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